Schwarz-Weiß-Ansichten

Unterwegs mit Kamera und Vintage-Objektiv

Es gibt Tage, da geht es nicht um die gefahrenen Kilometer, sondern um den Blick für die Details am Wegesrand – und den Blick nach oben. Bei meiner letzten Radtour war ich deshalb wieder mit einem meiner alten Vintage-Schätzchen unterwegs. Während andere auf die Durchschnittsgeschwindigkeit achten, halte ich lieber Ausschau nach Motiven, die das zusätzliche Gewicht dieser Optiken in der Satteltasche rechtfertigen. Dieses Mal war es die Kombination aus der Landschaft und den massiven Wolkenformationen, die mich besonders beeindruckt hat. Es war faszinierend zu sehen, wie sehr ein kleiner Filter den Look eines Bildes verändert und die Atmosphäre der Landschaft richtig zur Geltung bringt.

Die Dramatik der Wolken und der Kontrast zwischen dem dunklen Nadelwald und der Wiese – genau das wollte ich mit dem Farbfilter und der Schwarz-Weiß-Konvertierung erreichen.

Mehr Zeichnung im Himmel

Damit die Wolken so richtig deutlich zu sehen sind, habe ich einen klassischen Orange-Filter auf mein Asahi Takumar 50mm f/1.4 geschraubt. Er gehört zu einem Set alter Jenaer Farbfilter – bestehend aus Gelb, Grün und Orange –, die ich vor einiger Zeit als Beigabe zu einem Objektiv erhalten habe.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Der Filter dunkelt das Blau des Himmels ab. Dadurch setzen sich die weißen Wolken viel stärker ab und bekommen eine richtige Tiefe. Ohne diesen Filter wirkt der Himmel oft flach und etwas zu hell, aber mit ihm bekommt die ganze Szenerie direkt viel mehr Kraft.

Die beiden winzigen Wanderer am Rande der Wiese unterstreichen die imposante Größe der Hügellandschaft und die dramatische Wolkenstimmung über dem Tal.

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„Kontrast ist die Seele der Schwarz-Weiß-Fotografie.“

Optikgeschichte aus Jena:
Die Ultrasorban-Filter aus dem VEB Jenaer Glaswerk sind hochwertige Relikte der Optikgeschichte. Diese Spezialfilter nutzen die präzise Lichtbrechung von Jenaer Glas, um die Umsetzung von Farben in Graustufen gezielt zu beeinflussen.

Während der Gelbfilter Wolkenkontraste dezent hervorhebt, sorgt Orange für eine dramatische Bildwirkung und Grün für feine Differenzierungen in der Natur. Die Besonderheit liegt in der Absorption von ultraviolettem Licht, was Dunst reduziert. Lediglich die Belichtung muss um ein bis zwei Blenden korrigiert werden, um das geschluckte Licht auszugleichen.

Technik-Check: Jenaer Farbfilter-Set
(Gelb, Grün, Orange – Handgefertigt für den Einsatz an historischen Linsen)

Die tiefe Perspektive und die langen Baumschatten führen den Blick fast unweigerlich den Hügel hinauf zur Kapelle und dem Wegkreuz.

Licht, Schatten und Kontraste

Da die Aufnahmen durch den Filter natürlich einen starken Gelb-Orange-Stich hatten, habe ich sie im Anschluss in Schwarz-Weiß umgewandelt. Das war ohnehin der Plan, da der Fokus so komplett auf das Wesentliche rückt. Durch die starken Kontraste wirken die Wolken fast greifbar und plastisch, während die Kombination aus der jahrzehntealten Linse und dem markanten Kontrast den Aufnahmen einen zeitlosen Charakter verleiht. Zudem entsteht eine ganz eigene Dynamik, da man sich voll auf das Spiel aus Licht und Schatten konzentriert, ohne dass die Einfärbung des Filters oder bunte Details ablenken. Dieser Glas-Aufsatz hat hier ganze Arbeit geleistet und dem Moment mehr Tiefe gegeben.

Kontraste am Waldrand: In Schwarz-Weiß kommen die knorrige Struktur des alten Baumes und die Schichten der Hügellandschaft besonders gut zur Geltung.

Durch die Schwarz-Weiß-Umsetzung setzt sich die einzelne Fichte massiv gegen die dramatischen Wolken ab und betont die Weite der Sauerländer Hügellandschaft.

Kontrastreiche Aussichten

Hier sind die Ergebnisse meines ersten Filter-Tests: Kontrastreiche Aussichten und puristische Schwarz-Weiß-Momente, die das Spiel zwischen Licht und Schatten – eingefangen mit Charakter und altem Glas – erst so richtig wirken lassen.