Neuanfang für unsere Wälder

Vom kahlen Boden zum Insekten-Paradies

In den letzten Jahren haben Stürme und der Borkenkäfer viele Waldflächen im Sauerland zerstört und das Landschaftsbild maßgeblich verändert. Dort, wo früher Fichten dicht an dicht standen, sind heute oft große kahle Flächen zu sehen, auf denen nun völlig neue Lichtverhältnisse herrschen. Erfreulich ist, dass der Borkenkäfer in diesem Jahr nicht mehr aktiv ist und somit kein weiterer Druck auf die verbliebenen Bestände ausgeübt wird. Nun zeigt sich ein deutlicher Wandel: Während einige Bereiche gezielt aufgeforstet werden, erholt sich der Wald auf vielen Flächen ganz von allein.

Pionierpflanzen auf Kahlschlagfläche bei Schanze

Kalamitätsfläche bei Schmallenberg-Schanze

Pionierpflanzen

Wenn die Natur diese Flächen zurückerobert, passiert das erstaunlich schnell. Durch das Licht und die Wärme auf dem Boden beginnen Pflanzen zu wachsen, deren Samen oft jahrelang im Boden geschlummert haben. Als Pionierpflanzen bilden der leuchtende Fingerhut und das farbenfrohe Weidenröschen den Anfang. Der Fingerhut mit seinen purpurnen „Glocken“ ist dabei ein echtes technisches Wunderwerk der Natur: Seine Blüten sind perfekt an Hummeln und Bienen angepasst, die hier ein reiches Nahrungsangebot finden, das es im dunklen Wald so nicht gab.

Pionierpflanzen auf Kalamitätsflächen

Die Natur erneuert sich

Weil der Fingerhut als zweijährige Pflanze seine Samen weit über den Wind verbreitet, taucht er immer wieder an neuen Stellen auf, wodurch sich das Bild der Flächen jedes Jahr aufs Neue verändert. Nach und nach siedeln sich zwischen den Blumen kleine Sträucher und junge Bäume an. So entsteht ein neuer, gemischter Wald, der besonders stark ist, weil er genau zu unserem Boden und unserem Klima passt. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht, doch wenn man genau hinsieht, erkennt man: Der Wald baut sich aus eigener Kraft ganz gesund und abwechslungsreich neu auf.

Fingerhut so weit das Auge reicht

Kahlschlagfläche mit verschiedenen Sträuchern