Ein kleiner gelber Farbtupfer im Garten

Wenn die Natur an grauen Tagen ihre eigene Sonne schickt

Draußen macht das Wetter heute, was es will: Regen und Schnee wechseln sich laufend ab und alles wirkt ziemlich grau. Doch in unserem Garten gibt es etwas zu sehen, das sofort für gute Laune sorgt. Eigentlich beobachte ich diesen kleinen Kerl schon seit mehreren Tagen, wie er sich regelmäßig am Vogelhäuschen stärkt oder flink durch die nassen Zweige hüpft. Er leuchtet so stark, dass man ihn gar nicht übersehen kann. Besonders sein Kopf ist strahlend gelb. Es ist eine Goldammer, die hier bei uns im Garten unterwegs ist.

Ein Goldammer-Männchen im zitronengelben Prachtkleid trotzt dem Schnee und bringt Farbe in den Garten.

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Die Sage vom Goldkörnchen

Früher war die Goldammer ein ganz schlichter, brauner Vogel. Niemand achtete besonders auf sie, weil sie im Gebüsch kaum zu sehen war. Eines Tages sah sie einen Bauern auf seinem Feld stehen. Er war sehr traurig und hatte große Sorgen, weil seine Pflanzen nicht richtig wachsen wollten.

Die Goldammer wollte dem Bauern helfen. Aber sie war klein und hatte weder Geld noch Futter. Das Einzige, was sie besaß, war ihre Stimme. Also setzte sie sich auf einen Zaunpfahl und sang so schön und hoffnungsvoll, wie sie nur konnte. Ihr Lied war so hell, dass sogar die Sonne am Himmel stehen blieb, um zuzuhören.

Die Sonne freute sich so sehr über den mutigen Gesang des kleinen Vogels, dass sie ihm ein Geschenk machte: Sie schickte ihre wärmsten Strahlen zur Erde und färbte die Federn der Ammer leuchtend gelb – genau wie pures Gold. Als die Goldammer danach über das Feld flog, glänzten ihre Federn so stark, dass es aussah, als würden goldene Funken auf die Erde fallen. Der Bauer schöpfte neue Hoffnung und im nächsten Jahr wuchs auf seinem Feld das schönste Getreide der ganzen Gegend.

Ein Funken Hoffnung